Wer nicht gerne einsam ist
und ein Vis-à-Vis vermisst,
geht oft innerlich k.o.
Der Gedanke stimmt nicht froh
und ist oftmals mit ein Grund
für den Kauf von einem Hund,
weil man sich auf diese Art
manches Seelenleid erspart.
Aber manchmal wiederum
kehrt sich die Geschichte um.
Da ist dann der Hund Solist,
führt ein Leben, arm und trist,
und sucht Anschluss, schon allein,
um nicht so allein zu sein.
Auf die Weise ähnlich hart,
so verlief auch Merlins Start.
Doch, wie das bei Hunden ist,
Merlin blieb ein Optimist.
Heute ist es ungefähr
an die achtzehn Jahre her,
als man Merlin winselnd fand
herrchenlos am Straßenrand.
Ach, tat uns der Kleine leid!
Doch der hat sich blitzgescheit
gleich in Positur gestellt
und uns bittend angebellt:
„Lasst mich euer Merlin sein!“
Nur ein Rohling sagt da nein.
Weißbepelzt und schwarzgefleckt,
hängeohrig, aufgeweckt,
immer gutgelaunt sowie
früh bis spät voll Energie
ist der Hund dann unentwegt
jahrelang durch das Haus gefegt.
Hat getreu und engagiert,
was zu tun war, absolviert,
hat sich pflichtbewusst und smart
profiliert als Bodyguard
und mit Herzchen drin im Blick
kundgetan sein Hundeglück.
Eines Tages war er alt.
Krumm und müde von Gestalt,
regte er sich nur mehr sacht
und gab auch beim Wedeln acht
um sein bisschen Energie
einzuteilen – irgendwie…
Und jetzt ist sein Schlafplatz leer.
Unsren Merlin gibt‘s nicht mehr.
Lieber pelziger Gesell
mit dem kernigen Gebell!
Wieder läufst du uns voran,
checkst den Weg, schaust ihn dir an,
weißt, wir kommen einst gemach
wenn’s einmal soweit ist, nach.
Etwas Zeit wird noch vergehn,
bis zu unsrem Wiedersehn.
Musst sie halt noch überstehn,
doch dann wird es wunderschön!
Text und Foto: © Hannelore Nics, Mai 2023.
Diverse Veröffentlichungen im Mariposa Verlag.
Und Merlin ist der Star vieler Gedichte auf dieser Webseite. Im April dieses Jahres mussten wir uns leider von ihm verabschieden. Aber wir sind sicher, dass es ihm da, wo er jetzt ist, genauso gut geht wie vorher in seiner Familie.